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Hörsturz

Was ist ein Hörsturz?

Bei einem plötzlichen Hörverlust kann es sich um einen akuten Hörsturz handeln. Ein Hörsturz ist eine akut auftretende, schmerzlose und meist einseitige Hörminderung mit Sitz des Schadens im Innenohr (Corti – Organ der Schnecke).
Viele Patienten leiden zusätzlich unter einem quälenden Ohrgeräusch (Tinnitus), verzerrten Hören, Druck im Ohr oder auch Schwindel. Diese Symptome sind jedoch nicht typisch für einen Hörsturz. Auch andere Krankheiten machen ähnliche Beschwerden. Vor allem ein Ohrenschmalzpfropf oder ein akuter Paukenerguss können einen Hörsturz vortäuschen.

Definition:
Der Hörsturz ist eine ohne erkennbare Ursache plötzlich auftretende, in der Regel einseitige Schallempfindungsschwerhörigkeit cochleärer Genese von unterschiedlichem Schweregrad bis hin zur Ertaubung. Schwindel und/oder Ohrgeräusche sind zusätzlich möglich.

Zu welchem Arzt muss ich bei einem Hörsturz?

Bei den ersten Anzeichen einer akut aufgetretenen Hörstörung sollte man einen Hals- Nasen- Ohrenarzt aufsuchen. Nur er hat die Ausstattung, die man zur Diagnostik benötigt. Mittlerweile befinden sich in vielen Haus- oder Kinderarztpraxen ebenfalls Hörtestgeräte. Die hochwertigen Tests und die erforderliche Diagnostik kann jedoch nur beim HNO Arzt durchgeführt werden. Er ist der Spezialist für diese Krankheit.

Wie schnell muss ich behandelt werden?

Es handelt sich um einen therapiebedürftigen Eilfall, der von einem Notfall deutlich zu unterscheiden ist. Dies bedeutet, dass der Hörsturz behandelt werden muss, jedoch nicht sofort (z.B. Mitten in der Nacht). Der Erfolg einer Therapie wird durch die spätere Behandlung (laut amerikanischen Forschungen innerhalb von 14 Tagen) nicht beeinträchtigt,

Wie entsteht ein Hörsturz? Was sind die Ursachen?

Die Ursachen eines Hörsturzes sind bis heute nicht bekannt. Es werden die unterschiedlichsten Ursachen diskutiert. Zwei Theorien setzen sich jedoch nach allgemeiner Lehrmeinung durch. Zum Einen scheint eine Durchblutungsstörung zu einer akuten Hörstörung führen. Die Blutgefäße im Innenohr sind sehr klein. Die geringste Störung kann zu einer massiven Verengung der Gefäße führen und die Haarzellen vom Blut und somit auch von der Sauerstoffversorgung abschneiden.

Bei der zweiten Theorie soll es sich um eine Entzündung des Innenohres durch Viren handeln. Es gibt tatsächlich Viren, die zu einer Hörstörung oder sogar Ertaubung führen können (z.B. Mumps- oder Masernvirus). Welche Vieren jedoch genau dafür verantwortlich sind, hat man bis heute nicht herausgefunden. Auch wenn man die „neurotropen“ Viren bestimmt, so fehlt einem immer noch die therapeutische Konsequenz, denn Medikamente gegen die meisten VIren gibt es nicht. oft ist der Hörsturz - wie der akute Tinnitus - mit einer Stressreaktion des Körpers verbunden.

Viele Patienten berichten, dass Sie momentan unter starkem Stress stehen. Sei es beruflicher oder privater Stress. Aber nicht nur der Stress der von Außen auf unsere Psyche einwirkt ist gemeint, sondern auch der Stress, der unser Körper durchmacht. Ist unser Körper z.B. mit einer Erkältung oder einer anderen Krankheit beschäftigt, so steht er unter Stress. Das Ohr scheint dann wie ein Überdruckventil zu funktionieren und zu uns sagen: STOP! MACH LANGSAM! SCHALTE EINEN GANG ZURÜCK!

Wie erkennt man einen Hörsturz? (Diagnostik)

Der Hals- Nasen- Ohrenarzt wird zunächst das Ohr mit dem Mikroskop untersuchen, um andere Ursachen für die Hörminderung auszuschließen. Dann wird ein Tonaudiogramm und ein Tympanogramm durchgeführt. Bei diesen Tests erkennt man, wo die Ursache der Hörstörung liegt und man kann danach mit Bestimmtheit sagen, dass es ein Hörsturz ist. Nach abgeschlossener Therapie werden dann weiterführende audiologische und neurootologische Untersuchungen durchgeführt. Dabei werden otoakustische Emissionen bestimmt, der Hörnerv mit der Hirnstammaudiometire (BERA) ausgemessen und die Funktion des Gleichgewichtsorganes mit der Video/Elektronystagmographie überprüft. Zwischen dem Hörsturz und der weiterführenden Diagnostik sollten jedoch mindestens 14 Tage liegen, damit das Ohr nicht überlastet wird. Auch eine Kernspintomographie sollte auf keinen Fall früher erfolgen! Manche Autoren empfehlen sogar bis zu 6 Wochen zu warten.

Die Behandlung des akuten Hörsturzes (Therapie)

Die Therapie der Wahl ist die Kombination aus Kortison und durchblutungsfördernden Medikamenten. Im optimalen Fall werden Infusionen durchgeführt. Ist dies nicht möglich - oder kann sich der Patient die Therapie nicht leisten (s. unten) - kann man auf Tabletten zurück greifen. Diese werden dann in einem bestimmten Schema eingenommen.

Versagen der Therapie ist mittlerweile auch eine neue, innovative Therapie möglich. Es handelt sich um die intratympanale Kortikoidtherapie. Dabei wird Kortison durch das zuvor betäubte Trommelfell direkt in das Mittelohr (Spritze ins Ohr) gespritzt. Es liegen aktuell einige sehr vielversprechende Studien zu dieser Therapie vor. Besonders Diabetiker, die gewöhnlich keine Kortisontherapie erhalten dürfen, profitieren von dieser Behandlung, da kein Kortison in den Blutkreislauf gelangt und somit keine unerwünschten Nebenwirkungen hervorruft. konnten sich in der Therapie nicht durchsetzen.

Auch in den neuesten Leitlinien der dt. Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde hat sich bei der Basisbehandlung nichts geändert. Die Initialtherapie erfolgt nach wie vor mit hochdosiertem Kortison, welches dann über die nächsten Tage in immer niedrigeren Dosierungen ausgeschlichen wird. Gleichzeitig wird eine durchblutungsfördernde Therapie mit HAES – Infusionen und/oder Pentoxifyllin empfohlen.

Als dritter Pfeiler in der Behandlung wird nun erstmalig die so genannte intratympanale Kortikoidthearpie empfohlen. Dabei wird Kortison durch das zuvor betäubte Trommelfell direkt in das Mittelohr gespritzt. Die Behandlung ist nahezu schmerzlos und die Patienten tolerieren den Einriff sehr gut. Insgesamt sind 5-7 Sitzungen im Abstand von 1-2 Tagen sinnvoll.

Es liegen aktuell einige sehr vielversprechende Studien zu dieser Therapie vor. Besonders Diabetiker, die gewöhnlich keine Kortisontherapie erhalten dürfen, profitieren von dieser Behandlung, da kein Kortison in den Blutkreislauf gelangt und somit keine unerwünschten Nebenwirkungen hervorgerufen werden.

Diese neue innovative Therapie wird seit 4-5 Jahren in Deutschland angewendet. Als eine der ersten Kliniken führte die Mainzer HNO Uniklinik erste Forschungen durch und sind somit die Vorreiter in der Bundesrepublik.

Seit 2006 führe ich diese Behandlung in meiner HNO Praxis durch und ich kann viel Positives berichten. Patienten sind zunächst überrascht und können sich nicht vorstellen, dass eine schmerzfreie Injektion durch das Trommelfell möglich ist. Gerade diese sind nach der ersten Injektion erleichtert, dass es ungewohnt, aber fast schmerzlos funktioniert.

Viele andere Verfahren wurden wegen erwiesener Wirkungslosigkeit herausgestrichen. Das bedeutet auch, dass die hyperbare Sauerstofftherapie, die „Druckkammern“, die Blutwäsche (Plasmapherese) und Antioxidantien (Vitamine, besonders die stark beworbenen, teuren Kombinationen aus der Apotheke) keine Empfehlung zur Behandlung bei akutem Hörsturz haben.

Was kann der Patient unterstützend tun?

Ruhe, einen Gang zurückschalten und aus dem Alltag entfliehen. Stress sollte in jedem Fall abgebaut werden. Wenn man Raucher ist, sollte man damit aufhören oder seinen Konsum zumindest stark einschränken. Der Betroffene sollte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten.

Naturheilkundliche Behandlung - Hausmittel

Der Schatz der Natur bietet auch einiges zur Behandlung an. Neben Ginkgo Präparaten kann man auch Akupunktur oder die Homöopathie zur Therapie einsetzen. Studien zu diesen Mitteln liegen jedoch nicht vor. Man kann diese Behandlungen unterstützend einsetzen, sollte aber nicht die erste Wahl sein.

Krankenschein bei Hörsturz

Grundsätzlich sollte eine Krankschreibung erfolgen. Die Dauer der Krankschreibung ist von der Schwere des Hörsturzes, der Begleiterscheinungen und des persönlichen Leidensdruck abhängig. In den meisten Fällen reichen jedoch 1 - 2 Wochen. In den wenigsten Fällen (z.B. bei starkem Schwindel) muss eine längere Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausgestellt werden.

Wann muss ich bei einem Hörsturz ins Krankenhaus?

Die meisten Patienten können ambulant behandelt werden. Die wenigsten müssen sich in stationäre Behandlung begeben. Da die oben genannten Gründe auch für die stationäre Hörsturzbehandlung gelten, ist die Indikation für eine stationäre Behandlung sehr klar geregelt:

Ein objektiv massiver, akuter ein- oder beidseitiger kommunikativ stark beeinträchtigender oder vollständiger Hörverlust und ein Hörsturz der sich verschlechtert oder mit unzureichendem Erfolg unter ambulanter Therapie, wenn stationär andere Therapieoptionen möglich sind gehören genau so in eine Klinik wie ein akuter Hörverlust auf dem gesunden Ohr bei vor bestehender Taubheit auf dem nicht betroffenen Ohr.

Patienten mit Komorbidität, eingeschränkt auf schwere z.B. internistische Begleiterkrankungen im Herz Kreislauf- oder Stoffwechselbereich oder neurologische Erkrankungen sollten ebenfalls stationär behandelt werden.

Gesetzliche Krankenkasse bezahlt keine Therapie!

Die Therapie und die Medikamente bei akutem Hörsturz oder Tinnitus werden nicht mehr von den Krankenkassen bezahlt!

Das klingt unglaublich, aber genau so ist es. Seit dem 1. April 2009 werden weder die Infusionstherapie noch die Medikamente von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Dies gilt sowohl für die Therapie mit durchblutungsfördernden Medikamente (z.B. Trental, Haes) als auch für Kortison. Die Patienten müssen somit die anfallenden Kosten selbst tragen. Viele Praxen bieten ihren Patienten daher die Infusionstherapie als Selbstzahlerleistung an (IGEL). Fünf Infusionen kosten ungefähr ab 100 Euro (20 Euro pro Infusion). Die Medikamentenkosten sind getrennt in der Apotheke zu bezahlen.

Die Gründe, warum die gesetzlichen Kassen sich aus der Therapie verabschiedet haben sind für den Kenner sehr haarsträubend. Weder die deutsche Gesellschaft
für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V. noch der deutsche Berufsverband der Hals- Nasen- Ohrenärzte wurden zu diesem Thema gefragt und um Ihre Meinung gebeten. Allerdings zeigen beide Verbände auch nach 5 Jahren kein Interesse, daran etwas zu ändern.

Alle in den Leitlinien empfohlenen Maßnahen dürfen nicht zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnet werden! Die Gründe sind schnell aufgeführt, für Patienten oft nicht verständlich.

Der Wirkstoff Kortison besitzt keine Zulassung zur Behandlung eines akuten Hörsturzes oder Tinnitus. Wird es dennoch verwendet, so bezeichnet man das als einen so genannten „Off Label Use“ und dieser darf nach dem Gesetz nicht zu Lasten der GKV gehen.

Obwohl der Einsatz von Kortison bei einem akuten Hörsturz hinreichend erforscht ist, seit Jahren erfolgreich angewendet wird und zahlreiche Studien die Überlegenheit der Therapie zeigen, wurde bisher kein Kortisonpräparat für die Behandlung zugelassen. Die Pharmahersteller haben bis zum heutigen Tag keine Zulassung beantragt.

Pentoxifyllin: Der Wirkstoff Pentoxifyllin, der im Anhang der Leitlinien zur Standardbehandlung empfohlen wird, darf ebenfalls seit April 2009 nicht mehr auf ein Kassenrezept. Die Arzneimittelkomission empfiehlt lediglich die Verwendung bei Gefäßerkrankungen der Extremitäten. Obwohl Trental ® im Beipackzettel – im Gegensatz zu Kortison – für die Behandlung des akuten Hörsturzes zugelassen ist, darf es seither nicht mehr auf das Kassenrezept.

Infusionen mit HAES sind aufgrund der fehlenden Wirksamkeit und den zu erwartenden Nebenwirkungen mittlerweile komplett untersagt.

Die intratympanale Kortikoidtherapie ist noch zu neu und steht daher nicht im Leistungskatalog der Krankenkassen.

Somit sind die Behandlungskosten, nicht die Kosten für die Basisdiagnostik beim Hals- Nasen- Ohrenarzt vom Patienten selbst zu tragen.

Zur Behandlung zugelassene Medikamente

Welche Medikamente sind für die Behandlung des Hörsturzes in Deutschland zugelassen?

Nur ZWEI Medikamente in Deuschland haben die Zulassung für die Behandlung des akuten Hörsturzes. Das eine Medikament heißt Trental. Generika, die zwar den gleichen Wirkstoff enthalten (Pentoxifyllin) haben keine Zulassung für die Behandlung eines Hörsturzes. Das Gleiche gilt für alle anderen durchblutungsfördernden Medikamente (z.B. Nafti - long, Dusodril u.a.). Auch das naturheilkundliche Präparat „Ginkgo“ (Markenname Tebonin ) hat keine Zulassung und darf sollte aus rechtlichen Gründen nicht bei der Hörsturztherapie verwendet werden. andere Medikament ist eine HAES Infusionslösung der Firma Fresenius. Auch hier gilt : ALLE anderen haben keine Zulassung für die Behandlung.

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