Hörsturz

Definition

Ein Hörsturz ist eine akute, meist einseitige auftretende Erkrankung des Innenohrs. Viele Patienten beschreiben eine einseitige Hörminderung mit Druck auf dem Ohr und/oder ein verzerrtes Hören. In 5% der Fälle tritt die Hörminderung beiderseitig auf. Viel häufiger (30%) berichten die Patienten von einem mehr oder minder starken Schwindel – Gefühl. Sehr oft wird gleichzeitig ein Ohrgeräusch (Tinnitus) wahrgenommen. Die Frequenz des Tinnitus stimmt häufig mit der Frequenz des maximalen Hörverlustes überein. Männer sind genauso häufig von der Erkrankung betroffen wie Frauen. Der Hörsturz kann in verschiedenen Frequenzen auftreten. Am häufigsten ist der Hörsturz Hochtonbereich zu beobachten. Möglich sind jedoch auch ein Tiefton sowie eine akute Ertaubung.
Es handelt sich um einen therapiebedürftigen Eilfall, der von einem Notfall deutlich zu unterscheiden ist. Dies bedeutet, dass der Hörsturz behandelt werden muss, jedoch nicht sofort (z.B. Mitten in der Nacht). Der Erfolg einer Therapie wird durch die spätere Behandlung (laut amerikanischen Forschungen innerhalb von 14 Tagen) nicht beeinträchtigt, jedoch sollte man baldmöglichst seinen Hals- Nasen- Ohrenarzt aufsuchen.

Ursachen eines Hörsturzes:
Die Ursache eines Hörsturzes ist unbekannt. Offensichtlich können verschiedene Ereignisse zu einem Hörverlust führen.
Es existieren zwei wahrscheinliche Theorien.

Virusgenese:
Hierbei kommt es zu einer Infektion oder zu einer Reaktivierung eines neurotropen Virus. Dies führt nun zu einer Schädigung des Innenohres (Kochlea). Zu diesen Viren zählen: Herpes simplex, Herpes zoster, Masern- Mumps, Influenza- oder Adenoviren. Eine laborchemische Untersuchung kann Aufschluss darüber geben.

Durchblutungsstörung:
Hierbei kommt es zu einer Minderdurchblutung im Innenohr. Dadurch kann man zum Beispiel erklären, warum ein Hörsturz oftmals mit einem vermehrten Stress zusammenhängt.

Bisher konnten jedoch beide Theorien der Hörsturz – Entstehung nicht zweifelsfrei bewiesen werden.

Die Inzidenz liegt bei etwa 20/100000 Einwohner/Jahr.
Meist betrifft es Personen um das 50. Lebensjahr, wobei Männer und Frauen gleich häufig betroffen sind.

Die Prognose verschlechtert sich mit dem Ausmaß der Hörminderung, es besteht zusätzlich eine Rezidivhäufigkeit (Wiederauftreten) von circa 30 %.


Ursachen eines Hörsturz

Störungen der Durchblutung (Gefäßdysregulationen, z.B. durch Vasospasmus und /oder Endothelschwellungen und Dysfunktionen und /oder rheologische Störungen)
Störungen der Ionenkanäle der Haarzellen mit zellulärer Dysfunktion
Synaptische Störungen infolge Neurotransmitter-Dysfunktion (Insuffizienz oder Toxizität)
Efferente Fehlsteuerungen
Störungen der Ionenkanäle der Zellen der Stria vascularis mit nachfolgenden Elektrolytstörungen in der Endolymphe, u.U. mit Hydrops
Entzündliche Veränderungen (z.B. endolymphatische Saccitis)
Unbekannte Pathobiochemie und Pathophysiologie

Risikofaktoren eines Hörsturzes

Aus der Erfahrung eines Ohrenarztes sind folgende Auslöser häufiger:

Stress:

Erstaunlich oft berichten die Patienten in einer akuten Stresssituation zu sein. Dieser Stress führt dann dazu, dass das Ohr als Überdruckventil plötzlich streikt. Daher sollte unbedingt eine Krankschreibung erfolgen, da Entspannung und Ruhe der Therapie sehr zuträglich sind.

Erkrankungen:

Verlängerte, nicht kurierte Virusinfekte können durch den Stress des Körpers ebenfalls zu einem Hörsturz führen.

Modifizierbare – durch das Verhalten veränderbare – Risikofaktoren

* Psychische Belastungen
* Rauchen
* Stress

Behandelbare Risikofaktoren – Erkrankungen

* Akustikusneurinom – Tumor am Hörnerven
* Arteria Vertebralis-Insuffizienz – Unvermögen der Wirbelsäulenarterie, genügend Blut ans Ohr zu pumpen
* Borreliose – bakterielle Infektion, die durch Zecken übertragen wird
* Diabetes mellitus
* Einblutungen – Beispielsweise bei Therapie mit Antikoagulanzien – gerinnungshemmende Medikamente wie Phenprocoumon
* Herpes zoster – Gürtelrose
* Herzerkrankungen, die zu eingeschränkter Leistungsfähigkeit führen, wie beispielsweise Herzinsuffizienz – Herzschwäche
* HWS-Gefügestörungen – Veränderungen an der Halswirbelsäule
* Hyperlipidämie – Erhöhung der Blutfette
* Hyperurikämie – Erhöhte Harnsäurewerte im Blut
* Innenohrembolie – Verschluss einer das Innenohr versorgenden Arterie mit resultierender Minderversorgung
* Perilymphfistel – durch Verletzung der Grenze zwischen Innen- und Mittelohr auftretende Verlagerung der Innenohrflüssigkeit ins Mittelohr
* Plötzliche Blutdruckabsenkung
* Sludge-Phänomen – Verklumpung des Blutes aufgrund von Blutviskositätsstörungen
* Vasomotorische Störungen – Störungen in der Regulation der Gefäßweite
* Virusinfektionen wie beispielsweise einer Infektion mit dem HI-Virus, Mumps etc.


Diagnostik

Diagnostik

Die Diagnostik ist die Domäne des Hals- Nasen- Ohrenarztes. Nach der Inspektion der Gehörgänge, des Trommelfelles und des Mittelohres wird ein Hörtest (Tonaudiogramm) und eine Messung des Mittelohrdruckes (Tympanometrie) durchgeführt. Tritt der Hörsturz gemeinsam mit Schwindel auf, so sollte auch eine Untersuchung des Gleichgewichtsorganes erfolgen.

Um eine Schädigung des Hörnervens auszuschließen ist generell auch eine Untersuchung mit der sog. Hirnstammaudiometrie (BERA) durchzuführen. Diese sollte jedoch erst zwei Wochen nach dem akuten Ereignis erfolgen, da hierbei mit Lautstärken um die 80 dB gearbeitet wird. Das gleiche gilt für die Durchführung einer Kernspintomographie des Schädels.


Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen, die durch einen Hörsturz mit bedingt sein können

* Rezidive – erneuter Hörsturz
* Bleibender Tinnitus – Ohrgeräusch
* Bleibende Taubheit oder Schwerhörigkeit


Behandlung

Der optimale Zeitpunkt für den Beginn der Therapie sind die ersten 48 Stunden. Studien belegen auch noch einen Behandlungserfolg innerhalb der ersten zwei Wochen, jedoch wurde ebenfalls gezeigt, dass mit späterem Beginn der Therapieerfolg nachlässt. Die akute Therapie erfolgt mit einem absteigenden Kortisonschema und/oder einer Therapie, die das Blut „fließfähiger“ macht (rheologische Therapie). Die sog. Hyperbare Sauerstofftherapie konnte bisher ihre Wirsamkein nicht beweisen. In den letzten Jahren ergab sich noch eine zusätzliche Therapieoption: die intratympanale Kortikoidtherapie. Hierbei wird bei Versagen der konventionellen Therapie Kortison direkt durch das Tommelfell in das Mittelohr gespritzt. Die Injektion ist meist schmerzlos und wird in lokaler Betäubung durchgeführt. Neben dem zusätzlichen Therapieerfolg ist auch die Anwendung bei Diabetikern hervorzuheben. Da das Kortison nicht in die Blutbahn gelangt, können auch Diabetiker von dieser Behandlung profitieren.
Nicht außer Acht sollte man die Spontanheilungsrate lassen. Diese liegt – je nach Studie – zwischen 60 und 80 Prozent.
Die Behandlung mit einem Ginkgo – Präparat konnte in Studien bisher keinen Wirksamkeitsnachweis erbringen.
Unterstützende Maßnahmen sind:
Ruhe! Das Ohr hat während eines Hörsturzes mehr als genug Stress und es sollte daher auf eine ruhige Umgebung geachtet werden. Liegt eine erhebliche Stresskomponente vor, so sollte der Patient auch längere Zeit krank geschrieben werden. Der Betroffene sollte viel Wasser trinken und eventuell auch Vitamine zu sich nehmen. Als Vitamine kommen ein Vitamin B- Komplex, Vitamin E und Vitamin A in Frage.


Vorsorge = Rezidivhörsturz meiden!

Zur Sekundärprävention des Hörsturzes muss insbesondere auf eine Reduktion der Risikofaktoren geachtet werden

Modifizierbare, das heißt beeinflussbare Risikofaktoren

* Psychische Belastungen
* Rauchen (Raucherentwöhnung)
* Stress


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