Nach dem Hörtest beim HNO-Arzt halten viele Patienten ein Blatt mit Kurven und Zahlenwerten in der Hand - und wissen nicht, was sie damit anfangen sollen. Ein Audiogramm sieht auf den ersten Blick kompliziert aus. Dabei folgt es einer einfachen Logik, die jeder verstehen kann.

Dieser Artikel erklärt, wie ein Audiogramm aufgebaut ist, was die Kurven und Symbole bedeuten und wann das Ergebnis eine weitere Behandlung - etwa mit einem Hörgerät - sinnvoll macht.


Was ist ein Audiogramm?

Ein Audiogramm ist die grafische Darstellung des Hörvermögens. Es zeigt, wie laut ein Ton sein muss, damit eine Person ihn bei einer bestimmten Frequenz gerade noch wahrnimmt. Dieser Wert wird als Hörschwelle bezeichnet.

Das Audiogramm wird im Rahmen einer Audiometrie erstellt - dem eigentlichen Hörtest. Der Patient sitzt in einem schallisolierten Raum oder trägt Kopfhörer und gibt an, wann er einen Ton hört. Die Ergebnisse werden als Messpunkte in das Diagramm eingetragen und zu einer Hörkurve verbunden.


So lesen Sie Ihr Audiogramm: die beiden Achsen

Ein Audiogramm hat zwei Achsen. Wenn man das versteht, erschließt sich der Rest von selbst.

Die horizontale Achse: Frequenz (Tonhöhe)

Die X-Achse zeigt die Frequenz in Hertz (Hz) - von tiefen Tönen links (250 Hz, Basslage) bis zu hohen Tönen rechts (8000 Hz, sehr hohe Töne). Der für das Sprachverstehen wichtigste Bereich liegt zwischen 500 und 4000 Hz.

Die vertikale Achse: Lautstärke (Intensität)

Die Y-Achse zeigt die Lautstärke in Dezibel (dB). Oben steht 0 dB - das entspricht dem leisesten Ton, den ein normalhörendes Ohr gerade noch wahrnehmen kann. Nach unten nimmt die Lautstärke zu: 40 dB entspricht einem Flüstern, 65 dB einem normalen Gespräch, 90 dB einem lauten Straßenlärm.

Wichtige Regel: Je tiefer der Messpunkt im Audiogramm liegt, desto schlechter hört das Ohr in diesem Frequenzbereich. Ein Messpunkt bei 60 dB bedeutet: Dieser Ton muss 60 dB laut sein, bevor er wahrgenommen wird.

Die Symbole

  • O (Kreis, rote Linie) = rechtes Ohr
  • X (Kreuz, blaue Linie) = linkes Ohr

In der Regel werden beide Ohren getrennt gemessen. So lässt sich erkennen, ob ein Ohr stärker betroffen ist als das andere.


Normalhörigkeit und Grade des Hörverlusts

Eine Hörschwelle bis 25 dB gilt als normal - das heißt, sehr leise Töne werden noch wahrgenommen. Liegen die Messpunkte tiefer, spricht man von einer Schwerhörigkeit. Die Einteilung erfolgt nach international anerkannten Graden:

GradHörverlustWas fällt auf?
Normalhörigkeit0 bis 25 dBKein messbarer Hörverlust
Geringgradige Schwerhörigkeit26 bis 40 dBFlüstern, leise Gespräche werden schwerer
Mittelgradige Schwerhörigkeit41 bis 60 dBNormale Gespräche anstrengend, TV lauter
Hochgradige Schwerhörigkeit61 bis 80 dBLaute Stimmen kaum verständlich
An Taubheit grenzend81 bis 100 dBSprache ohne Hilfsmittel kaum möglich
Gehörlos / Taubheitüber 100 dBKein funktionelles Hörvermögen

Luftleitung und Knochenleitung: was der Unterschied bedeutet

Beim Hörtest werden in der Regel zwei verschiedene Messungen gemacht:

Luftleitung - der Schall gelangt über Gehörgang, Trommelfell und Mittelohr ins Innenohr. So hören wir im Alltag. Gemessen wird mit Kopfhörern.

Knochenleitung - ein kleiner Vibrator wird hinter das Ohr gehalten. Er überträgt den Schall direkt über den Schädelknochen ins Innenohr, ohne Gehörgang und Mittelohr. Gemessen wird mit einem Knochenleitungshörer.

Der Vergleich beider Messungen ist diagnostisch entscheidend:

  • Liegen Luft- und Knochenleitungskurve eng beieinander und beide tief: Innenohrschwerhörigkeit (Schallempfindungsschwerhörigkeit)
  • Liegt die Luftleitungskurve deutlich tiefer als die Knochenleitungskurve: Schallleitungsschwerhörigkeit - ein Problem in Gehörgang oder Mittelohr (z.B. Mittelohrentzündung, Paukenerguss)
  • Mischform: beide Anteile betroffen

Diese Unterscheidung ist wichtig, weil die Behandlung je nach Ursache grundlegend verschieden ist.


Wann braucht man ein Hörgerät?

Die Faustregel lautet: Ab einem durchschnittlichen Hörverlust von 30 dB am besseren Ohr kann ein Hörgerät verordnet werden. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Grundversorgung ab diesem Schwellenwert.

Ob ein Hörgerät wirklich sinnvoll ist, hängt aber nicht nur von der Kurve ab. Mindestens genauso wichtig:

  • Beeinträchtigt der Hörverlust den Alltag? Gespräche in Gruppen, Telefon, TV?
  • Klagen Angehörige über das laute Fernsehen oder häufiges Nachfragen?
  • Zieht sich die Person aus sozialen Situationen zurück?

Manchmal liegt der gemessene Hörverlust noch im grenzwertigen Bereich, die Alltagsbeeinträchtigung ist aber bereits spürbar. In solchen Fällen kann ein Hörgeräteversuch sinnvoll sein, bevor der Leidensdruck weiter wächst.


Diagnose und Hörtest in der HNO-Praxis

Ein Hörtest beim HNO-Arzt ist mehr als das Drücken eines Knopfes im Akustiker-Laden. In der HNO-Praxis werden neben der Tonschwellenaudiometrie weitere Untersuchungen durchgeführt:

  • Ohrmikroskopie: Sichtbeurteilung von Gehörgang und Trommelfell
  • Impedanzaudiometrie / Tympanometrie: Beurteilung der Mittelohrfunktion
  • Sprachaudiometrie: Wie gut werden Wörter und Sätze verstanden?
  • Otoakustische Emissionen (OAE): Prüfung der Haarzellen im Innenohr

Erst das Zusammenspiel dieser Untersuchungen ermöglicht eine fundierte Diagnose. Der HNO-Arzt stellt nicht nur fest, ob eine Schwerhörigkeit vorliegt - er klärt auch, wo die Ursache liegt und welche Behandlung sinnvoll ist.

In der HNO-Praxis Dr. Dewes in Saarlouis steht die vollständige Hördiagnostik zur Verfügung. Besteht der Verdacht auf eine Schwerhörigkeit, werden alle notwendigen Untersuchungen in einem Termin durchgeführt. Bei nachgewiesenem Hörverlust stellt die Praxis die Verordnung für ein Hörgerät aus.


Häufige Fragen zum Audiogramm

Eine von links nach rechts abfallende Kurve ist das häufigste Muster bei altersbedingter Schwerhörigkeit (Presbyakusis). Tiefe Töne werden noch gut gehört, hohe Töne nicht mehr. Im Alltag äußert sich das als Schwierigkeit, Gespräche in lauter Umgebung zu verstehen oder Konsonanten wie S, F und Sch auseinanderzuhalten.

Reicht ein Hörtest beim Akustiker?

Nein - zumindest nicht als alleinige Grundlage für eine Diagnose. Der Akustiker führt eine orientierende Messung durch, ersetzt aber keine HNO-ärztliche Untersuchung. Nur der HNO-Arzt kann medizinische Ursachen einer Schwerhörigkeit erkennen, behandeln und eine Hörgeräteverordnung ausstellen. Die Verordnung ist die Voraussetzung, damit die Krankenkasse die Kosten übernimmt.

Kann sich ein Audiogramm verbessern?

Das hängt von der Ursache ab. Eine Schwerhörigkeit durch Cerumen (Ohrenschmalz), einen Paukenerguss oder eine behandelbare Mittelohrentzündung kann sich nach Behandlung normalisieren. Eine Innenohrschwerhörigkeit - etwa altersbedingt oder nach einem Hörsturz - bildet sich in der Regel nicht zurück. Hörgeräte verbessern das Hören, verändern die Kurve selbst aber nicht.

Wie oft sollte man einen Hörtest machen lassen?

Ab dem 50. Lebensjahr empfiehlt sich alle zwei bis drei Jahre ein Kontrollhörtest. Bei bekannter Schwerhörigkeit, Lärmbelastung im Beruf oder nach einem Hörsturz sollten kürzere Intervalle vereinbart werden.


Möchten Sie Ihr Hörvermögen überprüfen lassen oder verstehen Sie Ihre Testergebnisse nicht? In der HNO-Praxis Dr. Dewes in Saarlouis erhalten Sie eine vollständige Hördiagnostik und eine verständliche Erklärung Ihrer Ergebnisse. Vereinbaren Sie Ihren Termin unter drdewes.de/online-termine oder rufen Sie uns an: 06831 2055.


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