Der Sinkflug beginnt, der Druck im Ohr nimmt zu, das Gehör wird dumpf, und kurz darauf sticht es: das sogenannte Flugohr. Wer es schon einmal hatte, vergisst es nicht so schnell. In der Saarlouiser HNO-Praxis sehe ich besonders nach den Schul- und Sommerferien Patienten, die mit einem zugesetzten Ohr aus dem Urlaub zurückkommen. Manche kommen direkt vom Flughafen Saarbrücken, andere nach längeren Reisen aus dem Mittelmeerraum oder Übersee. Dieser Artikel erklärt, warum das Flugohr entsteht, was Sie im Flugzeug selbst tun können, was vor der Reise sinnvoll ist und wann Sie nach der Landung tatsächlich einen HNO-Arzt aufsuchen sollten.
Was ist ein Flugohr?
Mit Flugohr ist medizinisch das otitische Barotrauma gemeint: eine Druckschädigung des Mittelohrs, die durch den schnellen Wechsel des Umgebungsdrucks beim Fliegen entsteht. Schmerzhaft wird es fast immer beim Sinkflug, nicht beim Start. Das hat einen physikalischen Grund, auf den ich gleich zurückkomme.
Das Flugohr ist häufig, aber meistens harmlos. Bei den allermeisten Reisenden gleicht sich der Druck nach Landung innerhalb von Minuten bis wenigen Stunden wieder aus. Hält das Druckgefühl, der Schmerz oder die Hörminderung länger an, hat sich oft ein Paukenerguss gebildet — ein Sekretsee hinter dem Trommelfell. Das ist nicht gefährlich, dauert aber unbehandelt manchmal Wochen.
Der Schweregrad wird klinisch nach Trommelfellbefund eingeteilt — die Klassifikation nach Teed reicht von einer leichten Rötung über Einziehung und Erguss bis hin zur Trommelfellperforation.1 Welcher Grad vorliegt, sieht der HNO-Arzt bei der Ohrmikroskopie sofort.
So funktioniert der Druckausgleich im Ohr
Das Mittelohr ist ein kleiner, luftgefüllter Raum hinter dem Trommelfell. Damit das Trommelfell normal schwingen kann, muss der Druck im Mittelohr genauso hoch sein wie der Druck außen. Dafür sorgt die Eustachische Röhre (Tuba auditiva Eustachii) — ein dünner Kanal, der das Mittelohr mit dem Nasenrachenraum verbindet.
Diese Röhre ist in Ruhe verschlossen. Sie öffnet sich nur kurz und aktiv, vor allem beim Schlucken, Gähnen oder Kauen. Verantwortlich sind die kleinen Gaumensegelmuskeln (Musculus tensor und levator veli palatini), die die Röhre für Sekundenbruchteile öffnen.2
Warum der Sinkflug das eigentliche Problem ist
Im Reiseflug auf etwa 11 000 Metern Höhe wird der Druck in der Kabine künstlich auf den Wert gehalten, der ungefähr 1 800 bis 2 400 Metern Höhe entspricht — also deutlich niedriger als am Boden. Beim Start steigt die Luft im Mittelohr aus, weil sie sich ausdehnt: Die Eustachische Röhre öffnet sich dabei recht problemlos „nach außen" — das berühmte Knacken im Ohr.
Beim Sinkflug ist es genau umgekehrt. Der Kabinendruck steigt, die Luft im Mittelohr wird komprimiert, und es entsteht ein Unterdruck hinter dem Trommelfell. Die Eustachische Röhre öffnet sich „nach innen" deutlich schlechter — vor allem, wenn die Schleimhaut durch einen Schnupfen oder eine Allergie geschwollen ist. Bereits ab einer Druckdifferenz von etwa 60 mmHg entsteht ein deutliches Druck- und Völlegefühl; bei rund 80 mmHg ist die Röhre dann oft „gesperrt" und lässt sich auch durch Schlucken oder Valsalva nicht mehr passiv öffnen.1 Der Unterdruck zieht das Trommelfell nach innen — das schmerzt. In sehr seltenen Fällen, bei extrem schnellem Druckabfall, kann das Trommelfell sogar reißen (klassisch ab Druckdifferenzen oberhalb von 100 mmHg).1
Wenn der Unterdruck länger besteht, beginnt die Mittelohrschleimhaut, Flüssigkeit abzusondern. Aus dem reinen Druckgefühl wird ein Paukenerguss (Serotympanon, später Mukotympanon), der das Hören dämpft.3
Symptome: So fühlt sich ein Flugohr an
Typischerweise beginnt es beim Sinkflug mit einem Druckgefühl auf einem oder beiden Ohren. Wer schluckt, hört kurz ein Knacken — dann ist alles gut. Klappt das nicht, folgt:
- Stechender Schmerz, oft einseitig, bei jeder weiteren Druckänderung schlimmer
- Wattegefühl im Ohr, gedämpftes Hören
- Manchmal Tinnitus (Pfeifen, Rauschen), vor allem direkt nach der Landung
- Selten Schwindel oder Übelkeit (Achtung — siehe Warnsignale weiter unten)
- In schweren Fällen Blutung aus dem Ohr durch ein perforiertes Trommelfell
Nach der Landung klingen leichte Beschwerden meist innerhalb von Stunden ab. Hält das Druckgefühl länger als 24 bis 48 Stunden an, ist ein Paukenerguss wahrscheinlich.
Druckausgleich aktiv: Manöver für unterwegs
Das Wichtigste ist die frühzeitige Aktivierung der Eustachischen Röhre — also nicht erst, wenn der Schmerz schon da ist. Wer den ersten Druckhinweis spürt, sollte sofort aktiv werden.
Schlucken, Kauen, Gähnen
Die einfachste und sicherste Variante. Ein Bonbon, ein Kaugummi oder das bewusste Schlucken alle paar Minuten reicht bei vielen Menschen aus. Diese Bewegungen aktivieren die Gaumensegelmuskeln und öffnen die Röhre auf natürliche Weise. Wer auf dem Sinkflug schläft, verliert genau diesen aktiven Druckausgleich — deshalb empfehle ich, sich vom Bordpersonal vor dem Sinkflug wecken zu lassen, wenn man zur Flugohr-Neigung gehört.
Valsalva-Manöver — sanft, nicht roh
Beim Valsalva-Manöver hält man Mund und Nase zu und versucht, vorsichtig Luft in die Nase „hineinzudrücken". Wenn die Eustachische Röhre öffnet, hört man ein deutliches Knacken im Ohr — der Druck ist ausgeglichen.
Wichtig ist die Dosierung: Es geht nicht darum, mit voller Kraft zu pressen, sondern um einen sanften, gut kontrollierten Druckaufbau über ein bis zwei Sekunden.
Warnung: Niemals mit Kraft pressen! Zu festes Valsalva-Pressen kann das Innenohr schädigen — bis hin zur sehr seltenen, aber ernsten perilymphatischen Fistel, einem Riss am runden oder ovalen Fenster zum Innenohr. Sobald Sie Schwindel, Drehgefühl, plötzliche Hörminderung oder einen kräftigen Tinnitus bemerken, sofort stoppen — und ärztlich abklären lassen.
Toynbee-Manöver — die schonende Alternative
Beim Toynbee-Manöver hält man die Nase zu und schluckt gleichzeitig. Das öffnet die Röhre noch sanfter als das Valsalva-Manöver und ist auch bei Menschen mit empfindlicher Tube oder leichtem Schnupfen meist gut verträglich. Viele Patienten empfinden Toynbee als angenehmer als Valsalva.
Tubentraining mit Ballon
Spezielle Sets zum Tubentraining (man bläst einen kleinen Ballon mit einem Nasenstück nasal auf) sind in Apotheken erhältlich und als Hilfsmittel sogar verordnungsfähig.3 Die zugehörige AWMF-Leitlinie zum Seromukotympanum ist formal abgelaufen und derzeit in Überarbeitung; die Empfehlung zum Tubentraining hat sich aber in der HNO-Praxis bewährt. Für Vielflieger mit wiederkehrenden Problemen oder bei chronischen Tubenfunktionsstörungen ist es eine sinnvolle Vorbereitung — die Evidenz ist begrenzt, das Risiko aber sehr niedrig.4 Im Flugzeug selbst lässt sich der Ballon allerdings schlecht einsetzen; sinnvoll ist das Training in den Tagen vor der Reise.
Was vor dem Flug hilft: Prävention
Abschwellendes Nasenspray vor dem Sinkflug
Wenn die Nasenschleimhaut deutlich geschwollen ist, bleibt die Eustachische Röhre zu — und der aktive Druckausgleich gelingt nicht. Abschwellende Nasensprays mit Wirkstoffen wie Xylometazolin oder Oxymetazolin werden in der Aviation Medicine traditionell empfohlen. Ehrlich gesagt: Die randomisierten Studien dazu zeigen für das reine Flugohr-Schmerzbild keinen eindeutigen Vorteil gegenüber Placebo, der systematische Review im BMJ Clinical Evidence stuft topische Dekongestiva entsprechend als „wirksamkeit unklar" ein.5 In der Praxis greifen trotzdem viele Reisende — und auch wir — darauf zurück, weil die subjektiv freiere Nase den aktiven Druckausgleich erleichtert und das Risiko gering ist, wenn das Spray nur über die Reise hinweg eingesetzt wird. Wenn Sie es versuchen wollen: etwa 30 Minuten vor dem Sinkflug ein Hub pro Nasenloch, bei langen Flügen auch eine zweite Anwendung.6
Wichtig zur Sicherheit: Abschwellende Sprays sind für die Reise eine gute Akut-Lösung, nicht für Tage oder Wochen. Werden sie länger als sieben bis maximal zehn Tage am Stück verwendet, droht ein medikamenten-induzierter Schnupfen (Rhinitis medicamentosa) mit der bekannten Spirale der Nasenspray-Abhängigkeit. Ausführlich beschreibe ich das im Beitrag Nasenspray-Sucht: was tun? — und wer ein offenes Spray hat, das schon halb leer ist, findet in der Nasenspray-Verdünnungsanleitung den ärztlich beratenen Weg zurück.
Für die akute Reise gilt: kurz einsetzen, beim Ankommen wieder absetzen.
Druckausgleichs-Ohrstöpsel
Spezielle Ohrstöpsel mit einem feinen Druckfilter — in Apotheken erhältlich — verlangsamen den Druckwechsel im Gehörgang. Die Evidenzlage ist begrenzt; randomisiert kontrollierte Studien zeigen keinen klaren Vorteil. Risiko und Kosten sind aber gering, sodass ein Versuch sinnvoll sein kann, vor allem bei Menschen, die regelmäßig Probleme haben.4 Wichtig: Vor dem Start einsetzen, nicht erst, wenn der Sinkflug beginnt.
Bei Allergie: vorher behandeln
Wer Pollen-, Hausstaub- oder Tierhaarallergiker ist, hat fast immer eine geschwollenere Nasenschleimhaut als andere — und damit häufiger ein Flugohr. Vor einer Reise lohnt es sich, die Allergie konsequent zu behandeln: antiallergisches Nasenspray (Kortison-Spray, dauerhaft unbedenklich) und gegebenenfalls ein Antihistaminikum. Bei wiederkehrenden Beschwerden in der Pollensaison ist die Hyposensibilisierung eine längerfristige Option, die wir in unserer Praxis anbieten — mehr dazu in den Beiträgen Hyposensibilisierung und Pollenallergie akut.
Wach bleiben beim Sinkflug, ausreichend trinken
Klingt banal, ist aber wirksam. Wer schläft, schluckt selten — die Eustachische Röhre öffnet sich nicht. Genug Flüssigkeit hält die Schleimhäute geschmeidig. Alkohol an Bord trocknet die Schleimhäute eher aus.
Fliegen mit Erkältung — geht das?
Die ehrliche Antwort: lieber nicht. Eine akute virale Rhinitis macht aus einem ohnehin engen Eustachischen Tubeneingang einen geschwollenen Schlauch, der den Druckausgleich kaum noch zulässt. Das Risiko für ein ausgeprägtes Flugohr, einen länger anhaltenden Paukenerguss oder sogar eine Trommelfellperforation ist deutlich erhöht.6
Wenn der Flug nicht verschoben werden kann (Geschäftsreise, gebuchter Urlaub), ist die Schutzstrategie:
- Abschwellendes Nasenspray etwa 30 Minuten vor dem Start und erneut etwa 30 Minuten vor dem Sinkflug
- Bewusster, aktiver Druckausgleich während des gesamten Sinkflugs
- Druckausgleichs-Stöpsel zusätzlich nutzen
- Bei Fieber oder eitrigem Schnupfen: ärztliche Rücksprache, ob der Flug verantwortbar ist
- Nach der Landung: Symptome beobachten, beim geringsten Verdacht auf bleibende Probleme zum HNO-Arzt
Wann zum HNO-Arzt nach dem Flug — die Warnsignale
Ein leichtes Druckgefühl, das sich innerhalb von ein bis zwei Tagen verliert, braucht keine ärztliche Abklärung. Folgende Symptome dagegen schon:
Bitte zeitnah zum HNO-Arzt, wenn:
- das Druckgefühl oder die Hörminderung länger als eine Woche anhält
- Schmerzen trotz Ruhe und Schmerzmittel bestehen bleiben
- Blut oder eitriges Sekret aus dem Ohr austritt (Verdacht auf Trommelfellperforation)
- eine einseitige, plötzliche Hörminderung mit Tinnitus auftritt — kann ein Hörsturz sein (siehe Hörsturz behandeln)
- Schwindel mit Drehgefühl auftritt, vor allem mit Übelkeit — Verdacht auf Innenohrbarotrauma
- Fieber dazukommt
- Sie eine Allergie oder chronische Tubenfunktionsstörung kennen und nach jedem Flug Probleme haben
Innenohrbarotrauma und die seltene perilymphatische Fistel sind die ernsten Differentialdiagnosen, die unbedingt fachärztlich gesehen werden müssen — am besten innerhalb von ein bis zwei Tagen.
Diagnose und Behandlung beim HNO-Arzt in Saarlouis
Wenn Sie mit Flugohr-Beschwerden in die Praxis kommen, läuft die Untersuchung im Wesentlichen so ab:
- Anamnese — Wann war der Flug, welche Symptome, Vorerkrankungen, Allergien, Erkältung kurz vorher?
- Ohrmikroskopie — Beurteilung des Trommelfells: Rötung, Einziehung, Flüssigkeitsspiegel hinter dem Trommelfell, Perforation?
- Tympanometrie — eine schmerzlose Messung, die die Beweglichkeit des Trommelfells und den Druck im Mittelohr objektiv darstellt
- Audiometrie (Hörtest) — vor allem, wenn eine Hörminderung besteht, um eine Innenohrbeteiligung auszuschließen. Was die einzelnen Kurven bedeuten, erkläre ich im Beitrag Audiogramm verstehen
Behandlungsoptionen
Bei den meisten Patienten ist das Flugohr selbstlimitierend — es heilt spontan ab. Die Therapie ist dann unterstützend:
- Abschwellendes Nasenspray kurzfristig (maximal eine Woche), um die Eustachische Röhre wieder durchgängig zu machen
- Antihistaminikum bei allergischer Komponente
- Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol nach Bedarf
- Tubentraining mit Ballon zur Aktivierung der Tube
Bei einem persistierenden Paukenerguss, der länger als drei bis vier Wochen anhält und das Hören merklich einschränkt, kommen weitere Optionen in Betracht. Dazu gehören die Parazentese (ein kleiner, gezielter Trommelfellschnitt, der das Sekret abfließen lässt) und in seltenen Fällen die Einlage eines Paukenröhrchens.3 Die Ballondilatation der Eustachischen Röhre ist eine neuere Option, vor allem bei chronischen Tubenfunktionsstörungen — beim einmaligen Flugbarotrauma in der Regel nicht nötig.3
Eine Trommelfellperforation durch Barotrauma heilt in den meisten Fällen innerhalb weniger Wochen spontan ab. Wichtig ist in dieser Zeit, das Ohr trocken zu halten und es nicht zusätzlich zu belasten (kein Schwimmen, kein Tauchen, kein Druckausgleichsversuch).
Sonderfall Tauchen — kurz erklärt
Beim Tauchen sind die Druckverhältnisse deutlich extremer als beim Fliegen: Schon in zehn Metern Wassertiefe verdoppelt sich der Umgebungsdruck. Das Flugohr-Risiko überträgt sich entsprechend verstärkt auf die Tauchsituation. Mit einer Erkältung oder bei bekannter Tubenfunktionsstörung sollte nicht getaucht werden — die Gefahr eines schweren Barotraumas oder einer perilymphatischen Fistel ist erheblich. Wer nach einem Tauchgang Schwindel, Hörminderung oder anhaltende Ohrbeschwerden bemerkt, gehört umgehend zum HNO-Arzt.
Auch bei Pässen, langen Tunnelfahrten oder Seilbahn-Auffahrten kann es zu Flugohr-ähnlichen Beschwerden kommen — die Mechanik ist dieselbe, die Druckdifferenzen aber meist kleiner.
Was Sie aus diesem Artikel mitnehmen sollten
- Das Flugohr entsteht beim Sinkflug, wenn die Eustachische Röhre nicht öffnet.
- Aktiver Druckausgleich durch Schlucken, Gähnen, sanftes Valsalva oder Toynbee ist die wichtigste Maßnahme.
- Abschwellendes Nasenspray etwa 30 Minuten vor dem Sinkflug kann den Druckausgleich erleichtern; die Studienevidenz ist schwach, der Versuch kurzfristig aber risikoarm.
- Mit einem akuten Infekt möglichst nicht fliegen; wenn unvermeidbar, mit klarer Schutzstrategie.
- Beschwerden, die länger als eine Woche anhalten, Schwindel oder eine plötzliche Hörminderung gehören zum HNO-Arzt.
Wenn Sie nach einem Flug länger anhaltende Ohrbeschwerden haben oder regelmäßig vor Reisen unsicher sind, ob Sie fliegen sollten, melden Sie sich gerne in der Praxis. In der HNO-Praxis Dr. Dewes in Saarlouis stehen Ihnen Ohrmikroskopie, Tympanometrie und Audiometrie zur Verfügung, um Paukenerguss, Trommelfellveränderungen und eine eventuelle Innenohrbeteiligung zuverlässig abzuklären. Vereinbaren Sie Ihren Termin bequem online unter drdewes.de/online-termine oder telefonisch unter 06831 2055.
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Häufige Fragen
Was hilft sofort bei einem Flugohr im Flugzeug?
Schlucken, Gähnen oder Kaugummikauen sind die ersten und sichersten Maßnahmen — sie öffnen die Eustachische Röhre auf natürliche Weise. Klappt das nicht, hilft oft das Toynbee-Manöver (Nase zuhalten und schlucken) oder ein sanftes Valsalva-Manöver (Nase zuhalten und vorsichtig Luft hineindrücken, nicht pressen!). Bei wiederholten Problemen lohnt sich abschwellendes Nasenspray etwa 30 Minuten vor dem Sinkflug.
Darf ich mit einer Erkältung fliegen?
Möglichst nicht. Ein akuter Infekt der oberen Atemwege erhöht das Risiko für Flugohr, Paukenerguss und sogar Trommelfellperforation deutlich. Wenn der Flug nicht verschoben werden kann, sollten Sie abschwellendes Nasenspray vor dem Start und vor dem Sinkflug nutzen, aktiv Druckausgleich machen und gegebenenfalls Druckausgleichs-Ohrstöpsel tragen. Bei Fieber oder eitriger Bronchitis ärztlich abklären, ob der Flug überhaupt verantwortbar ist.
Wann sollte ich nach einem Flug zum HNO-Arzt?
Wenn das Druckgefühl oder die Hörminderung länger als eine Woche anhält, Schmerzen bestehen bleiben, Blut oder Sekret aus dem Ohr austritt, Schwindel mit Drehgefühl auftritt oder eine plötzliche einseitige Hörminderung mit Tinnitus dazukommt. Letzteres kann ein Hörsturz sein und sollte rasch abgeklärt werden.
Was ist der Unterschied zwischen Valsalva und Toynbee?
Beim Valsalva-Manöver halten Sie Mund und Nase zu und drücken sanft Luft in die Nase — Sie öffnen die Eustachische Röhre aktiv „nach außen". Beim Toynbee-Manöver halten Sie nur die Nase zu und schlucken gleichzeitig — die Röhre öffnet sich dabei meist sanfter. Toynbee ist für viele Patienten verträglicher; Valsalva sollte nie mit voller Kraft ausgeführt werden, weil das in seltenen Fällen das Innenohr schädigen kann.
Helfen Druckausgleichs-Ohrstöpsel wirklich?
Die Studienlage zu Druckausgleichs-Stöpseln (mit feinem Druckfilter, in Apotheken erhältlich) ist begrenzt — randomisierte Studien zeigen keinen klaren Vorteil. Das Risiko ist allerdings sehr niedrig und die Kosten überschaubar, sodass ein Versuch durchaus sinnvoll sein kann, besonders bei wiederholten Flugohr-Problemen. Wichtig: Stöpsel vor dem Start einsetzen und während Start und Landung tragen, nicht erst beim ersten Schmerz.
Wie lange dauert ein Paukenerguss nach einem Flug?
Leichte Beschwerden klingen innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen ab. Ein voller Paukenerguss kann mehrere Wochen brauchen, bis er sich vollständig auflöst — das ist meist nicht gefährlich, schränkt aber das Hören ein. Hält er länger als drei bis vier Wochen an, kommen weitere Optionen wie eine Parazentese (kleiner Trommelfellschnitt) in Betracht. Das wird dann individuell beim HNO-Arzt besprochen.
Mirza S, Richardson H. Otic barotrauma from air travel. J Laryngol Otol. 2005;119(5):366–370. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15949100/ ↩︎ ↩︎ ↩︎
Standardanatomie der Tuba auditiva Eustachii — Faktencheck via HNO-Update-Korpus 2020/2025 (Sekundärliteratur, HB_HNO_2020 S. 624, HB_HNO_2025 S. 690), keine Primärbelegstelle zitiert. ↩︎
DGHNO-KHC. S2k-Leitlinie Seromukotympanum, AWMF-Registernummer 017-004, Stand 31.10.2018 (formal abgelaufen 30.10.2023, derzeit in Überarbeitung; Neuanmeldung 30.09.2023, geplante Fertigstellung 29.09.2028). https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/017-004 ↩︎ ↩︎ ↩︎ ↩︎
Ryan P, Treble A, Patel N, Jufas N. Prevention of Otic Barotrauma in Aviation: A Systematic Review. Otol Neurotol. 2018;39(5):539–549. DOI: 10.1097/MAO.0000000000001779. ↩︎ ↩︎
Basu A, Sharma A. Middle-ear pain and trauma during air travel. BMJ Clin Evid. 2014;2014:0501. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4298289/ ↩︎
Aerospace Medical Association, Medical Guidelines Task Force. Medical Guidelines for Airline Travel — ENT Considerations (Position Paper Update). https://www.asma.org/publications/medical-publications-for-airline-travel ↩︎ ↩︎
