Hyposensibilisierung Allergie – die einzige kausale Therapie, die das Immunsystem dauerhaft umprogrammiert. Jeder Frühling dasselbe Muster: laufende Nase, juckende Augen, Niesattacken. Die Pollenallergie betrifft allein im Saarland rund 250.000 Menschen. Antihistaminika lindern die Beschwerden – beseitigen aber die Ursache nicht. Die Hyposensibilisierung, auch spezifische Immuntherapie (SIT) oder umgangssprachlich Allergie-Impfung genannt, ist der einzige Behandlungsansatz, der das Immunsystem dauerhaft umprogrammiert. Dieser Artikel erklärt, wie die Therapie wirkt, für wen sie geeignet ist, welche Verfahren zur Verfügung stehen – und warum der beste Zeitpunkt für die Diagnostik genau jetzt ist.
Was ist Hyposensibilisierung?
Die Hyposensibilisierung ist die einzige kausale Therapie der Allergie. Während Antihistaminika und Kortikosteroide die allergische Reaktion unterdrücken, setzt die spezifische Immuntherapie an der Ursache an: Sie trainiert das Immunsystem, den harmlosen Fremdstoff – etwa Birken- oder Gräserpollen – nicht länger als Bedrohung zu werten.
Das Grundprinzip ist einfach: Das Allergen wird dem Körper wiederholt in aufsteigender Dosis zugeführt. Das Immunsystem gewöhnt sich daran, die Alarmreaktion bleibt aus. Nach Abschluss der Therapie reagiert der Körper auch im Alltag toleranter.
Welche Allergene können behandelt werden?
Gut wirksam ist die Hyposensibilisierung bei:
- Pollenallergien (Birke, Erle, Hasel, Gräser, Roggen, Beifuß)
- Hausstaubmilbenallergie
- Tierhaarallergie (eingeschränkt)
- Insektengiftallergie (Bienen, Wespen) – wird nicht bei uns behandelt
Ursachen und Risikofaktoren
Eine Pollenallergie entsteht aus dem Zusammenspiel genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren. Haben beide Elternteile eine Atopie, liegt das Risiko für das Kind bei über 50 %. Der Klimawandel verstärkt das Problem zusätzlich: Die Pollensaison beginnt früher, dauert länger und die Pollenkonzentration steigt.
Unbehandelt kann ein Heuschnupfen zum sogenannten Etagenwechsel führen. Dabei breitet sich die allergische Entzündungsreaktion von der Nasenschleimhaut auf die Bronchien aus. Das Ergebnis ist häufig ein allergisches Asthma bronchiale – eine deutlich schwerwiegendere Erkrankung als der ursprüngliche Heuschnupfen. Studien belegen, dass die Hyposensibilisierung diesen Etagenwechsel zuverlässig verhindern kann.
Symptome: Woran erkenne ich eine Pollenallergie?
Typische Beschwerden treten saisonal wiederkehrend auf:
- Wässrige Rhinorrhoe und Niesattacken
- Konjunktivitis mit Juckreiz und Tränenfluss
- Nasale Obstruktion, Schleimhautschwellung
- Orales Allergiesyndrom: Jucken im Mundraum bei Kreuzallergien (z. B. Birke und Apfel)
- Schlafstörungen durch behinderte Nasenatmung
- Tagesmüdigkeit und Konzentrationsprobleme
Sind diese Beschwerden regelmäßig zur gleichen Jahreszeit präsent, ist eine allergologische Abklärung beim HNO-Arzt angezeigt. Je früher die Diagnose, desto besser die Therapiechancen.
Diagnose beim HNO-Arzt
Vor jeder Hyposensibilisierung steht die präzise Diagnose. In der HNO-Praxis Dr. Dewes in Saarlouis umfasst die allergologische Abklärung folgende Schritte:
Anamnese: Saisonales Muster der Beschwerden, familiäre Atopie, Beruf, Wohnumfeld.
Pricktest: Standardverfahren zum Nachweis IgE-vermittelter Soforttyp-Reaktionen. Standardisierte Allergenlösungen werden auf die Unterarminnenseite aufgetragen und mit einer Lanzette leicht angeritzt. Nach 15 Minuten zeigt eine Quaddel die Sensibilisierung an. Das Verfahren ist weitgehend schmerzfrei.
Spezifisches IgE im Blut: Ergänzt den Pricktest und quantifiziert die Sensibilisierungsstärke. Sinnvoll bei bestehender Antihistaminika-Einnahme oder ausgedehnten Hautreaktionen.
Nasenendoskopie: Beurteilung der Schleimhautsituation, Ausschluss anatomischer Mitursachen wie Septumdeviation oder Polyposis nasi.
Erst wenn das auslösende Allergen sicher identifiziert ist, wird das passende Therapiepräparat ausgewählt.
Behandlungsmöglichkeiten
Schulmedizinische Stufentherapie
Die Therapie der Pollenallergie folgt einem klaren Stufenschema:
Stufe 1 – Allergenkarenz: Pollenbelastung reduzieren, soweit möglich. Pollenschutzgitter, morgendliches Stoßlüften, Kleidungswechsel nach Aufenthalt im Freien.
Stufe 2 – Symptomatische Medikation: Nicht-sedierende Antihistaminika, topische nasale Kortikosteroide. Sie lindern die Beschwerden zuverlässig, heilen die Allergie jedoch nicht.
Stufe 3 – Hyposensibilisierung (SIT): Einzige kausal wirksame Behandlung. Empfohlen bei jahresweise wiederkehrenden, erheblichen Beschwerden, die medikamentös nicht ausreichend kontrollierbar sind.
Hyposensibilisierung: SCIT und SLIT
Zwei Applikationswege stehen zur Verfügung:
SCIT (subkutane Immuntherapie): Das Allergen wird unter die Haut des Oberarms injiziert. Nach einer wöchentlichen Aufdosierungsphase folgt eine mehrjährige Erhaltungsphase mit monatlichen Abständen. Gesamtdauer: 3 Jahre. Wirksamkeit durch zahlreiche kontrollierte Studien belegt. Nach jeder Injektion ist eine Nachbeobachtungszeit von 30 Minuten in der Praxis erforderlich.
SLIT (sublinguale Immuntherapie): Das Allergen wird täglich als Tropfen oder Tablette unter der Zunge eingenommen. Nach kontrollierter Ersteinnahme in der Praxis führen Patienten die Therapie selbstständig zu Hause fort. Für Gräserpollen und Hausstaubmilben gut belegt. Geringere Praxisbesuche, aber tägliche Eigendisziplin erforderlich.
Kurzzeitimmuntherapie (präsaisonale SCIT): Bei Gräserpollensensibilisierung steht ein verkürztes präsaisonales Schema zur Verfügung. In der pollenfreien Zeit (Herbst/Winter) werden 4-5 Injektionen im Wochenabstand verabreicht, über 3 Jahre wiederholt. Geeignet für Patienten, die ungerne ein Depot-Schema über das ganze Jahr nutzen.
Was Sie selbst tun können
Unterstützende Maßnahmen im Alltag:
- Pollenschutzbrille bei hoher Pollenbelastung
- Haare abends waschen, Kleidung nicht ins Schlafzimmer
- Raumluftfilter (HEPA-Filter) für das Schlafzimmer prüfen
- App des DWD (Pollenflug-Gefahrenindex) für tägliche Belastungsvorhersagen nutzen
- Außenaktivitäten bei hoher Belastung in den späten Abend legen
Wann ist der beste Zeitpunkt?
Eine Besonderheit der Hyposensibilisierung: Die SCIT sollte in der Regel nicht während der aktiven Pollensaison begonnen werden, da das Risiko allergischer Reaktionen auf die Injektionen erhöht ist.
Der optimale Startzeitpunkt liegt im Herbst oder Winter. Wer also jetzt – mitten in der Birken- und Gräsersaison – unter starken Beschwerden leidet, sollte die allergologische Diagnostik zeitnah anstoßen. So kann die Hyposensibilisierung zum nächsten Herbst beginnen und bereits zur übernächsten Pollensaison erste Wirkung zeigen.
Ein späterer Beginn verliert Jahre der möglichen Beschwerdereduktion. Früher handeln lohnt sich.
Ergänzende Ansätze
In der HNO-Praxis Dr. Dewes wird ergänzend zur schulmedizinischen Therapie die Bioresonanztherapie (BICOM) angeboten. Sie kann bei Patienten eingesetzt werden, die eine naturheilkundliche Begleitung wünschen. Bei allergischen Beschwerdebildern arbeite ich überwiegend nach dem Schema von Dr. Rummel — einem standardisierten Ablauf über 15 Wochen, der sich gezielt an den allergischen Formenkreis richtet.
Hinweis: Die Bioresonanztherapie gehört zur Erfahrungsheilkunde. Ihre Wirksamkeit ist wissenschaftlich nicht im Sinne der evidenzbasierten Medizin belegt. Sie ersetzt keine notwendige medizinische Diagnostik oder Therapie und wird ausschließlich ergänzend eingesetzt.
Häufige Fragen
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?
Die Kosten der SCIT und SLIT werden von gesetzlichen Krankenkassen grundsätzlich übernommen, wenn die Diagnose gesichert und die Indikation besteht. Privat versicherte Patienten werden nach GOÄ abgerechnet. Ergänzende Diagnostikleistungen wie eine erweiterte Allergentestung können als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) anfallen und werden bei der Beratung transparent besprochen.
Ab welchem Alter ist die Therapie möglich?
In der HNO-Praxis Dr. Dewes wird die Hyposensibilisierung ab dem Jugendalter durchgeführt. Jüngere Kinder werden zur allergologischen Diagnostik und Therapieeinleitung an einen Kinderallergologen weitergeleitet. Eine frühzeitige Behandlung ist grundsätzlich sinnvoll, um den Etagenwechsel zum Asthma bronchiale zu verhindern.
Wann tritt eine Verbesserung ein?
Die ersten spürbaren Verbesserungen zeigen sich häufig ab der zweiten oder dritten Pollensaison unter Therapie. Symptomatische Medikamente können in der Anfangszeit weitergeführt werden. Die Behandlung erfordert Geduld, zahlt sich aber langfristig aus.
Wie lange hält die Wirkung an?
Studien belegen eine anhaltende Wirkung von bis zu zehn Jahren nach Abschluss der dreijährigen Therapie. Bei erneutem Auftreten der Beschwerden kann eine Wiederholung sinnvoll sein.
Kann ich während der Behandlung Sport treiben?
Am Injektionstag sollten körperliche Belastung, Alkohol und Saunabesuche vermieden werden. An den übrigen Tagen bestehen keine Einschränkungen.
Leiden Sie unter Heuschnupfen oder Pollenallergie? In der HNO-Praxis Dr. Dewes in Saarlouis stehen Ihnen Allergietestung (Pricktest, spezifisches IgE), individuelle Beratung und die Einleitung einer Hyposensibilisierung (SCIT und SLIT) für Jugendliche und Erwachsene zur Verfügung. Der beste Zeitpunkt für die Diagnostik ist außerhalb der Saison.
