Schwindel
Schwindel - Wenn das Gleichgewicht wankt
Schwindel ist ein häufiges, oft verunsicherndes Symptom. Viele Patienten beschreiben das Gefühl, als würde sich alles drehen, schwanken oder kippen. Die Ursachen sind vielfältig – und nicht immer harmlos. In unserer HNO-Praxis in Saarlouis verfügen wir über langjährige Erfahrung sowie moderne Diagnostikmethoden, um der Ursache gezielt auf den Grund zu gehen.
So funktioniert unser Gleichgewicht
Unser Gleichgewichtssinn beruht auf einem fein abgestimmten Zusammenspiel mehrerer Systeme im Körper. Das Innenohr mit seinen Bogengängen und Otolithenorganen liefert Informationen über Beschleunigung und Lageveränderung des Kopfes. Die Augen tragen durch visuelle Orientierung zur räumlichen Einordnung bei. Gleichzeitig melden Sensoren in Beinen, Füßen und der Wirbelsäule – die sogenannte Tiefensensibilität – ständig Rückmeldungen über Körperhaltung und Bewegung. Diese Informationen laufen im Gehirn, insbesondere im Kleinhirn und Hirnstamm, zusammen und werden dort verarbeitet.
Kommt es in einem dieser Bereiche zu einer Störung, gerät das System aus dem Gleichgewicht – und es entsteht Schwindel.
Die häufigsten Ursachen für Schwindel
Es gibt zahlreiche Schwindelformen, die sich in Ursache, Intensität und Dauer unterscheiden. Einige der häufigsten sind:
Beim gutartigen Lagerungsschwindel reichen oft kleine Lageänderungen – etwa beim Drehen im Bett –, um für Sekunden ein heftiges Drehgefühl auszulösen.
Die Neuritis vestibularis ist eine plötzliche Funktionsstörung des Gleichgewichtsnervs, die mit starkem Drehschwindel, Übelkeit und Gangunsicherheit einhergeht.
Beim Morbus Menière kommt es zu anfallsartigem Drehschwindel, oft begleitet von Ohrgeräuschen, Druckgefühl und einer Hörminderung – meist auf einer Seite.
Ein zentraler Schwindel, z. B. durch Durchblutungsstörungen im Gehirn, tritt oft in Verbindung mit weiteren neurologischen Symptomen wie Gangunsicherheit, Sprachstörungen oder Sehstörungen auf.
Nicht selten liegt die Ursache im psychischen Bereich: Chronischer Stress, Angstzustände oder depressive Verstimmungen können einen sogenannten funktionellen oder psychogenen Schwindel auslösen – das Gefühl ist real, auch ohne nachweisbare körperliche Ursache.
Wann Schwindel untersucht werden muss
Ein Arztbesuch ist dringend angeraten, wenn:
* der Schwindel plötzlich und heftig auftritt
* zusätzliche Symptome wie Hörverlust, Doppelbilder oder Sprachstörungen bestehen
* Gleichgewichtsstörungen über längere Zeit bestehen oder sich verschlechtern
Gerade bei älteren Menschen kann Schwindel ein erhöhtes Sturzrisiko bedeuten – eine frühzeitige Abklärung ist daher sinnvoll.
Diagnostik in unserer HNO-Praxis
In unserer Praxis bieten wir eine umfassende Schwindeldiagnostik an, die auf fundierter Erfahrung und moderner Technik beruht. Dabei betrachten wir das Zusammenspiel von Hör- und Gleichgewichtssystem ganzheitlich.
Hörprüfung bei jedem Schwindel
Da das Gleichgewichtsorgan eng mit dem Hörorgan verbunden ist, prüfen wir zunächst das Gehör. Hierzu zählen:
Messung der Hörschwelle (Tonaudiometrie)
Innenohrfunktion durch Otoakustische Emissionen (OAE)
Messung der Nervenleitung vom Ohr zum Hirnstamm (BERA)
So können auch versteckte Funktionsstörungen erkannt werden, die mit dem Schwindelgeschehen zusammenhängen
Videokopfimpulstest (vHIT)
Mit dem Videokopfimpulstest (vHIT) prüfen wir gezielt die Funktion der sechs Bogengänge im Innenohr. Durch kleine, gezielte Kopfbewegungen und gleichzeitige Aufzeichnung der Augenbewegungen über eine Hochgeschwindigkeitskamera lässt sich die Reaktion des Gleichgewichtsorgans objektiv beurteilen.
Dieser Test liefert insbesondere bei akutem Schwindel wichtige Hinweise darauf, ob die Ursache im Innenohr oder im zentralen Nervensystem liegt.
Kalorische Videonystagmographie (VNG)
Die kalorische Prüfung ist ein klassisches Verfahren, um die Funktion beider Gleichgewichtsorgane getrennt zu beurteilen. Dabei wird temperierte Luft oder Wasser in den Gehörgang eingebracht, was eine Reaktion im Gleichgewichtsorgan auslöst. Die dadurch entstehenden Augenbewegungen (Nystagmen) werden per Videotechnik aufgezeichnet und ausgewertet.
Diese Methode erlaubt eine sehr präzise Beurteilung der Funktion beider Seiten und wird vor allem bei chronischem oder einseitigem Schwindel eingesetzt.
Weitere funktionelle Gleichgewichtstests
Ergänzend führen wir bei Bedarf Lagerungsmanöver (z. B. nach Hallpike), Stand- und Gangtests sowie visuelle Augenbewegungstests durch. So können wir periphere von zentralen Ursachen sicher unterscheiden.
Unsere Therapiekonzepte bei Schwindel
Nach der Diagnosestellung erfolgt die individuell angepasste Therapie. Dazu stehen uns verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung:
- Lagerungstraining bei gutartigem Lagerungsschwindel
- Medikamentöse Behandlung bei Menière, Migräne oder Entzündungen
- Infusionstherapie zur Verbesserung der Innenohrdurchblutung
- Intratympanale Kortisoninjektionen bei bestimmten Erkrankungen
- Naturheilkundliche Verfahren: z. B. Homöopathie, Frequenztherapie
Schwindel-Check
Strukturierter Fragebogen zur ersten Einordnung der Beschwerden mit Hinweisen auf die passende Anlaufstelle. Kein Ersatz für eine ärztliche Untersuchung.
Ihre Einschätzung
Nächste sinnvolle Schritte
Wissenschaftliche Quellen
Strupp M, Dieterich M. Vertigo and Dizziness. Springer, 2013
Deutsche Gesellschaft für Neurologie. S1-Leitlinie Akuter Schwindel, 2019
Neuhauser H. Epidemiologie vestibulärer Syndrome. Dtsch Ärztebl, 2008
Huppert D et al. Vestibuläre Diagnostik in der Praxis. HNO, 2010
Clinical Neurophysiology, 2022: vHIT and caloric testing in vestibular diagnostics
Rechtlicher Hinweis
Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung. Sie ersetzen nicht die persönliche Untersuchung oder Beratung durch einen Arzt. Bei Beschwerden wenden Sie sich bitte an eine geeignete Facharztpraxis. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben übernehmen wir keine Gewähr.